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17. Februar 2016

Mein Vater, der große kleine Mann

(zu seinem 90sten Geburtstag)

Mein Vater ist ein großer Mann.

Großes hat er hervorgebracht:

Suiten, Sonaten und Sinfonien,

Opern und Lieder,

Chancons und andere Gesänge,

Stücke für Trios, Quart- und Quintette,

Nachtmusiken und Ballette,

Inventionen, Präludien und Bagatellen,

Concertos, Concertinos,

tausend Bilder,

ein Divertimento

und zwei Töchter.

 

Mein Vater ist manchmal auch ein kleiner Mann.

Er kann sich so klein machen,

dass man glaubt er sei nicht da.

Das ist eine Begabung,

aber auch lebenslanges Training.

So hält er sich die Welt vom Leib,

das Telefon und manchmal auch seine Frau,

meine Mutter, deren laute Rufe ich durchs Haus schallen höre,

er aber nicht.

 

Mein Vater ist mein Vater,

daran ist nicht zu rütteln.

Es war nicht leicht mit ihm,

nicht leicht, ihn kennenzulernen.

Heute, nach zweiundfünfzig Jahren, glaube ich,

ihn ein wenig zu kennen,

obgleich er mir immer noch ein Rätsel ist.

Und doch kenne ich ihn besser als früher,

als ich mich selbst noch nicht kannte -

mich, die ich lange geglaubt habe,

so ganz anders zu sein,

und das bin ich ja auch.

Nicht so groß,

aber groß genug.

Die Ähnlichkeiten liegen,

wie die Unterschiede und der berühmte Hund,

im Detail.

 

Jetzt ist mein Vater ein alter Mann,

das ist amtlich.

Neunzig Jahre muss man erst einmal werden -

und dann noch was wollen!

 

So gesehen ist mein Vater ein junger Mann

und wird es bleiben,

in meiner Erinnerung.

 


4. Mai 2015

Cover Stories

Bora. Eine Geschichte vom Wind. Der neue Roman von Ruth Cerha

Als ich vor 8 Jahren mein erstes Buch veröffentlichte (den Erzählband Der Gesang der Räder in den Schienen), fragte mich mein Verleger Jürgen Lagger, ob ich eine Idee für die Gestaltung des Covers hätte. Ich schlug ihm die Verwendung eines Fotos vor, das Marlies Allmaier (meine Stieftochter) während einer gemeinsamen Fotosession gemacht hatte: Ein Gewirr von Oberleitungen am Bahnhof Hütteldorf, das schließlich grafisch freigestellt auf dem schönen weißen Hintergrund landete, der damals das optische Markenzeichen aller Bücher des Luftschacht Verlags war. In diesem Oberleitungsgewirr gibt es eine Lampe, etwa 2x0,5 cm. Diese kleine Lampe wurde der Gegenstand unzähliger Mails, die zwischen Jürgen und mir hin- und hergingen. Wir waren uns einig, dass sie als einziger Gegenstand auf dem Cover eine Farbe bekommen sollte – aber welche? Rot? Zu puffmäßig. Gelb? Zu sehr FM4. Ein helles, mintiges Rosa? Hübsch, vielleicht sogar zu hübsch. Blau? Ach ja, aber was für eines – hell, dunkel, mittel, cyan oder ultramarin?

Irgendwann schrieb Jürgen: Ich mache jetzt noch einen Vorschlag, und wenn du dich dann nicht entscheiden kannst, nutze ich meine Position als Verleger und entscheide alleine. Ich schrieb zurück: Gut! Und wenn es dann jemandem nicht gefällt, nutze ich meine Position als Autorin und sage: Ich kann nichts dafür, mein Verleger wollte das so!

Bei jedem meiner Covers gab es eine „Lampe“. Auf dem Umschlag von Kopf aus den Wolken waren es die Fische, auf dem Frühstückstisch der Zehntelbrüder ein Käseteller und ein iPod.

Das Cover meines neuen Romans, Bora. Eine Geschichte vom Wind, hat eine besondere Geschichte. Sie beginnt an einem gemütlichen Samstagabend im eisigen Jänner bei einer guten Flasche Rotwein – immer ein hervorragender Beginn für eine Geschichte!

Ich saß bei Marlies und ihrem Freund Michi (Grafikdesigner und Schriftspezialist Michael Hochleitner von den Typejockeys, die auch diese schöne Webseite designt haben) und erzählte von meinem Ringen um eine gute Idee für das neue Buchcover. Passend zum Ort der Handlung sollte es eine mediterrane Anmutung haben, Sehnsucht wecken, auf sich aufmerksam machen, aber ohne den beliebigen Fotokitsch unzähliger Strandromane auskommen. Ich dachte an Landkarten - klassische Sehnsuchtsobjekte. Diese landeten dann auf dem Vorsatzpapier.

Die Kvarnerbucht um 1900Hoboken, New Jersey um 1900

Der Abend war schon einigermaßen fortgeschritten, die Rotweinflasche fast leer, als Michi mir vorschlug, ein Buchcover für mich zu entwerfen. Die Idee begeisterte mich so sehr, dass ich gleich am nächsten Tag meinen Verleger Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt fragte, ob er für eine Zusammenarbeit mit einem externen Grafiker offen sei. Und das war er, mit dem Hinweis, dass der Verlag in den letzten Jahren bemüht sei, die Schönheit des analogen Buches zu fördern und in den Vordergrund zu rücken. Was wiederum Michi sehr freute, weil er die Möglichkeit sah, sich kreativ auszutoben.  

Einige Wochen später präsentierte er mir seinen ersten, von Hand gezeichneten Entwurf. Wir diskutierten über Farben (mehrmals;), Verläufe und Schriftzüge und einigten uns schließlich auf eine Version, mit der wir beide glücklich waren. Auch Herrn Unseld und den Mitarbeiterinnen des Verlages gefiel der ungewöhnliche, von Adriaplakaten aus den 50er-Jahren inspirierte Entwurf mit dem Retrocharme.

Buchcover für Bora, erster Entwurf

Doch auch diesmal gab es eine „Lampe“: Der Schriftzug BORA war der Stein des Anstoßes. Er war etwas Besonderes, von einer eigenen, modernen Schönheit, darin waren sich alle einig. Aber waren die stark stilisierten, ineinander übergehenden Buchstaben auch lesbar genug? Traten sie gegenüber dem Untertitel Eine Geschichte vom Wind nicht zu sehr in den Hintergrund? Michi erzählte mir von einem in der Grafikwelt bekannten, interessanten Phänomen: Wenn die Lesbarkeit in Frage steht, können Menschen, die wissen, was ein Wort heißen soll, es schlechter lesen als solche, die es nicht wissen. Eine Testreihe in meinem Bekanntenkreis schien diese Theorie zu bestätigen.

Doch letztlich wollte ich in dieser Hinsicht kein Risiko eingehen und bat Michi, einen neuen Schriftzug zu entwerfen. Und ich liebe ihn. Wie auch den Rest des Covers. Es ist einfach wunderschön und ich bin überzeugt, es wird auf jedem Büchertisch herausstechen!

Jetzt ist es in Druck – mein neues Buch und sein schickes Mäntelchen. Es in Händen zu halten, wird wieder einmal wie Geburtstag und Weihnachten zusammen!

Hier noch der Link zur Vorschau der FVA


5. April 2015

Stormy Weather

Mein neuer Roman, der Frühling & meine letzten Flugreisen: Stürmische Zeiten!

Ruth Cerha März 2015, Foto by Stefanie Luger

Dieses Foto ist vor zwei Wochen am Neusiedlersee entstanden, auf einem Steg bei der Mole West. Meine Freundin und Fotografin Stefanie Luger hat mich bei strahlendem Sonnenschein einen Nachmittag lang ins beste Licht gerückt, und nun schon zum dritten Mal wunderbare Autorenfotos von mir gemacht. Für mich war dieser Tag wie Urlaub. 

Sehr arbeitsreich waren sie, die letzten Wochen. Und aufregend. Das Lektorat an meinem neuen Roman Bora. Eine Geschichte vom Wind ist nun abgeschlossen, das Manuskript im Satz. Das ist immer ein großer Moment, denn jetzt ist Schluss mit überarbeiten, umformulieren, streichen und hinzufügen. Abgesehen von den kleinen bösen Buchstaben, den buchstäblich falschen, die mit schöner Regelmäßigkeit von AutorInnen, VerlegerInnen, LektorInnen, KorrektorInnen und zum Glück manchmal auch von LeserInnen überlesen werden, ist der Text nach dem Satz zwar nicht in Stein gemeißelt, aber wegen des Umbruchs eigentlich nicht mehr veränderbar. Jetzt muss es raus, mein Baby, in die große weite Welt!

Die Welt der Bücher

Natürlich kann ich es noch nicht alleine herumlaufen lassen, denn es herrscht ein rauher Wind da draußen, und es hat noch nicht einmal einen Schutzumschlag! Also begleite ich es auf seiner Reise durch die Welt der Bücher, wache mit den Augen der besorgten Mutter über Umschlaggestaltung, Pressearbeit, Vorschau- und Klappentext. Ich fahre mit ihm auf die Leipziger Buchmesse (nein, mitmachen darf es dort noch nicht, aber mal zuschauen, wie die Großen das machen) und zur Vertreterkonferenz nach Frankfurt, wo seine Pflegefamilie lebt. Schließlich möchte ich, dass mein Kind in seiner Besonderheit erkannt und unterstützt wird, und nicht eingeschüchtert in der Masse untergeht. Nein, ich bin keine Eislaufmami. Oder nur ein ganz kleines bisschen. Aber wer einmal auf einer Buchmesse war, wird mich verstehen.

Leipziger Buchmesse 2015

Und während es draußen wieder beginnt, nach Erde zu riechen, der Bärlauch sprießt und die Frühlingsstürme an den Fenstern rütteln, sitze ich in Flugzeugen, die nicht fliegen können. Nicht einmal. Viermal. Hintereinander. Wegen technischer Gebrechen, wegen Wind und Wetter. Teile werden ausgebaut, repariert, wieder eingebaut, Startbahnen werden gesperrt, ich sitze eingekeilt im Flugzeug und verpasse Anschlussflüge, führe komplizierte Telefonate mit Fluglinien und Online-Reisebüros (für €1,58 pro Minute!), vereinbare Umbuchungen. Und bin ich einmal angekommen, wird es auch nicht viel besser. Schnellbahnen streiken, Kassasysteme von Tankstellen brechen zusammen, Handys verweigern den Dienst, Drucker geben den Geist auf, und mein Laptop gibt plötzlich nur mehr ein komisches Piepsen von sich, bei schwarzem Bildschirm. Man wird ja leicht paranoid in so einer Lage. Aber eigentlich glaube ich nicht, dass es an mir liegt, sondern einfach daran, dass die Welt, die wir geschaffen haben, uns technisch überlegen ist.    

Prometheus-Raumschiff

Vielleicht habe ich mich genau deshalb vor über 10 Jahren in die winzige kroatische Insel verliebt, auf der mein neuer Roman spielt - weil es dort nicht viel mehr gibt als Meer und noch mehr Meer, Sand, Felsen, Vegetation und ein kleines Dorf mit Steinhäusern, in denen Menschen leben, die wissen, dass sie abhängig sind von Wind und Wetter. Denn wenn die Bora weht oder der Jugo (die kroatische Bezeichnung für den Scirocco) Wolken und Unwetter bringt, kann es sein, dass die Boote ausfallen und keiner auf die Insel oder von ihr weg kommt. Es ist, wie ich an einer Stelle des Romans geschrieben habe, ein Ort, der sich selbst nicht so wichtig nimmt und deshalb viel Platz hat für die Menschen, wo man den Raum mit dem Körper durchmessen kann, die Zeit ihre Strenge verliert und die Augen unbegrenzt schauen können.

Bald könnt ihr euch lesend an diesen wunderbaren Ort träumen - wo auch immer ihr dann gerade seid....

Bora. Eine Geschichte vom Wind erscheint am 1.Juli. Die Buchpräsentation findet am Mittwoch, den 24.Juni um 19:00 im Café Schopenhauer statt. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Watch this: Lena Horne Stormy Weather   

die Insel

14. Februar 2015

Die Sache mit dem Blog

Eines der schönen und enervierenden Dinge am Leben als Mensch, der sein Geld in Eigenregie mit seiner Kreativität verdient, ist, dass man ständig irgendwas Neues ausprobiert, sich immer wieder neu erfindet. Das Schöne ist, man macht eine Menge Erfahrungen, die einem verwehrt blieben, würde man jemals aufhören, anzufangen, es hält einen flexibel, frisch, frank und frei, und was es sonst noch an positiv geladenen Adjektiven mit f gibt (fragil? fraktal? flatterhaft? Warum zur Hölle fallen mir jetzt nur mehr negativ geladene ein? Muss sich immer alles neutralisieren, bis zur alles verschlingenden Bedeutungslosigkeit? Und wie stoppe ich jetzt bitte diesen Gedankengang?)

Das Enervierende ist, man ist immer wieder Anfänger.

Anstatt sich also auf dem weichen, beruhigenden Polster der Erfahrung und Routine auszuruhen, ist man regelmäßig gnadenlos mit der eigenen Stümperhaftigkeit konfrontiert, tappt tollpatschig durch unerforschtes Terrain, im schlimmsten Fall von einem Fettnapf in den nächsten, und soll sich dabei, will man nicht Mut und Selbstbewusstsein verlieren, auch noch selber gut finden.

Die Rettung heißt Humor, und Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht, und zwar vorzugsweise, bevor andere es tun.  

Schon lange bevor ich mit der Arbeit an dieser Webseite begonnen habe, hat mich der Gedanke beschäftigt, unter die Blogger zu gehen – jene unüberschaubare Gruppe von Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen der Welt etwas mitteilen wollen, und davon ausgehen, dass es die Welt interessiert. Mit diesem Postulat bin ich als literarische Autorin vertraut (auch mit dem Zweifel daran). Vertraut bin ich auch mit den vielen täglichen Gedanken und Beobachtungen, die ich in meinen Büchern NICHT unterbringen kann und darf, wenn ich eine halbwegs gute Autorin sein will, und die verstopfen mitunter meine kreativen Kanäle, weil ich sie nirgendwo loswerde. Ja doch, ich habe Freunde. Ich spreche auch mit ihnen. Aber da ich jemand bin, der seine Freunde ungern ständig zuquasselt, weil ich sonst nämlich nicht erfahre, was sie denken, bleibt Vieles von dem, was ich denke, ungesagt, und es beschäftigt mich genau dann, wenn ich mich hinsetze, um zu schreiben.

Deshalb, so dachte ich, wäre ein Blog ideal für mich - ein regelmäßiges Ventil für die side orders des Lebens, die ich für mitteilenswert halte, oft sogar mitteilenswerter als das Hauptgericht.

Doch ach - wie naiv ich war, was für eine Anfängerin!

Wie so oft hatte ich vergessen, dass der Tag nur 24 Stunden hat, die Woche nur 7 Tage, das Monat maximal 31 und selbst das Schaltjahr nicht mehr als 366 – und die werden auf mysteriöse Weise immer wieder verdammt kurz für jemanden wie mich, der sein Geld in Eigenregie mit seiner Kreativität verdient.

Deshalb findet, wer meinen Blog besucht, bisher genau 3 (in Worten: drei!) Einträge, von denen ich zwei in der ersten Euphorie, den dritten über mein Vorwort für das Buch Marylin Monroe – Wer? geschrieben habe. Das ist jetzt ein Jahr her.

Ok, ich war mit meinem neuen Roman beschäftigt (Bora. Eine Geschichte vom Wind, erscheint Anfang Juli bei der Frankfurter Verlagsanstalt) Aber jetzt ist er fertig, ich müsste also theoretisch Zeit haben. Jede Menge Zeit. Doch jedes Mal, wenn ich denke, ich habe jede Menge Zeit, ist sie auch schon wieder mit irgendetwas angefüllt. Wie wenn man einen Schrank ausmistet, und dann denkt: Oh, jetzt habe ich unglaublich viel Platz. Und kurze Zeit später ist er wieder voll, und man fragt sich: Wo habe ich das Zeug eigentlich davor untergebracht?

Aber nein, ich gebe nicht auf! Wieder einmal sage ich mir: Irgendwas an der Sache kannst du anders machen, du musst was Neues versuchen. Kürzere Einträge zum Beispiel (kürzer als dieser hier!), eine andere Herangehensweise, mehr Bilder vielleicht, eine neue Struktur, das hier ist ein Blog und kein Roman, nicht mal eine Kurzgeschichte (ich habe gerade eine geschrieben, für eine Anthologie zum Thema Geburtstag, die im Herbst bei Residenz rauskommt. Sie wurde um ein Drittel zu lang;)

Ich fange an, also bin ich? 

Eins ist sicher: Tamagotchis hätten bei mir keine Chance. Meine Katzen leben aber noch.


12. Februar 2014

Marilyn Monroe - Wer?

Unverhofft ...

Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, dass sich die interessantesten Projekte oft direkt vor meiner Nase abspielen – in meinem unmittelbaren Freundeskreis. Ich brauche also nur meine ohnehin sehr ausgeprägte kommunikative Ader auszuleben, will heißen, mit den Menschen, die mir am liebsten sind, auf diverse Kaffees oder Gläser guten Weins zu gehen, mit ihnen zu frühstücken, zu Mittag oder zu Abend zu essen, Feste zu feiern, wie sie fallen (ihre oder meine), und schon eröffnen sich fast wie von selbst die Gelegenheiten, mich an wunderbaren, kreativen Unternehmungen zu beteiligen. Und da ich in den letzten Jahren hauptsächlich dem Schreiben fröne, einer über weite Strecken recht einsamen Tätigkeit, bin ich sehr und immer mehr geneigt, diese Gelegenheiten zur Zusammenarbeit mit anderen beim Schopf zu packen.

... kommt immer öfter

So kam es, dass ich mich bei einem Fest meiner lieben Freundin Eva Wolfram-Ertl (deren Malerei ich sehr schätze und für deren Ausstellung in der Galerie am Schillerplatz ich vor zwei Jahren einen Text schreiben durfte) in einem Gespräch mit der Psychoanalytikerin Irene Bogyi fand, die mir von ihrer Beschäftigung mit Marilyn Monroe erzählte. Sie schrieb damals über deren letzte Psychoanalyse bei Dr. Ralph Greenson und ihre kontroversiellen Aspekte. Durch ihren Arbeitsschwerpunkt Kunst und Psychoanalyse hatte sie eine Vielzahl an interessanten Kontakten zu Menschen, die sich aus ganz verschiedenen Richtungen dem Mythos Monroe näherten und sich mit den menschlichen Fragen, die ihr Leben und ihr Tod aufwarfen, auf verschiedene Weise auseinandersetzten. Schließlich veranstaltete sie ein Symposion mit dem Titel Marilyn Monroe – Wer?, mit teils künstlerischen, teils wissenschaftlichen Beiträgen zum Thema.

Das Buchprojekt

Bei jenem Fest erzählte ich Irene, dass auch ich eine spezielle Beziehung zur Monroe habe, dass Marilyn mich als Mensch, Schauspielerin und Phänomen schon immer fasziniert hat – und dass ich bei einem Kostümfest sogar einmal in ihre Rolle geschlüpft bin. Als Irene nach dem Symposion beschloss, ein Buch herauszugeben, in dem ihre eigene Arbeit sowie die am Symposion beteiligten Beiträge versammelt sein sollten, bat sie mich deshalb, für dieses Buch ein Vorwort zu schreiben. Es war für mich eines dieser sehr, sehr spannenden Nebenprojekte der letzten Jahre, von denen ich eingangs gesprochen habe, die definitiv das Salz in meiner Suppe sind und die dafür sorgen, dass ich nicht immer nur in der eigenen rühre! Die Recherchen für dieses Vorwort haben mich nicht nur dazu gebracht, mir Monroes Filme wieder anzuschauen (besonders interessant fand ich Don´t bother to knock, 1952 und Niagara, 1953), sondern aus meiner heutigen Perspektive einen Blick auf das Frauenbild der Kriegs – und Nachkiegsgeneration sowie die Umstände und Begleiterscheinungen des Starkults zu werfen.

Präsentation

Das Ergebnis könnt ihr noch diesen Sommer nachlesen. Die Buchpräsentation gibt’s am 27.Juni 2014. Details folgen, hier und auf facebook – hope to see you there!

Marilyn Monroe – Wer?

Psychoanalytische und kunstwissenschaftliche Annäherungen an den Mythos.

Psychosozial-Verlag

Mit Beiträgen von Irene Bogyi, Elisabeth Bronfen, Ruth Cerha, Beate Hofstadler, Andreas Jacke, Sebastian Leikert, Hans Pettermann, August Ruhs, Rainer Schmid und Tamara Sudimac

Analog zum Traum eröffnet uns der Mythos einen Zugang zum Unbewussten. Die Frage nach der mythischen Dimension von Marilyn Monroe hat eine Fülle von Themen zutage gefördert: die Inszenierung von Medienkörpern, die Essenz von Sinnlichkeit, die Konstruktion von Weiblichkeit, die Psychoanalyse als Amour Fou und die Lust an der Verwandlung. Die interdisziplinären Annäherungen enthüllen aber auch den Menschen hinter dem Mythos: Marilyns Unangepasstheit, ihre politische Einstellung, ihren Humor und ihre Schlagfertigkeit. In den Beiträgen dieses Bandes wird die Figur Marilyn Monroe zum Vehikel, um über elementare menschliche Themen nachzudenken. Dieses Buch ist auch eine Entdeckungsreise in die geheimen Land- schaften der Seele. Auf der Suche nach dem Rätsel Marilyn Monroe stellt sich schließlich die Frage nach der Konstituierung des Subjekts, deren Beantwortung zu bemerkenswerten Erkenntnissen führt.

www.psychosozial-verlag.de