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4. Mai 2015

Cover Stories

Bora. Eine Geschichte vom Wind. Der neue Roman von Ruth Cerha

Als ich vor 8 Jahren mein erstes Buch veröffentlichte (den Erzählband Der Gesang der Räder in den Schienen), fragte mich mein Verleger Jürgen Lagger, ob ich eine Idee für die Gestaltung des Covers hätte. Ich schlug ihm die Verwendung eines Fotos vor, das Marlies Allmaier (meine Stieftochter) während einer gemeinsamen Fotosession gemacht hatte: Ein Gewirr von Oberleitungen am Bahnhof Hütteldorf, das schließlich grafisch freigestellt auf dem schönen weißen Hintergrund landete, der damals das optische Markenzeichen aller Bücher des Luftschacht Verlags war. In diesem Oberleitungsgewirr gibt es eine Lampe, etwa 2x0,5 cm. Diese kleine Lampe wurde der Gegenstand unzähliger Mails, die zwischen Jürgen und mir hin- und hergingen. Wir waren uns einig, dass sie als einziger Gegenstand auf dem Cover eine Farbe bekommen sollte – aber welche? Rot? Zu puffmäßig. Gelb? Zu sehr FM4. Ein helles, mintiges Rosa? Hübsch, vielleicht sogar zu hübsch. Blau? Ach ja, aber was für eines – hell, dunkel, mittel, cyan oder ultramarin?

Irgendwann schrieb Jürgen: Ich mache jetzt noch einen Vorschlag, und wenn du dich dann nicht entscheiden kannst, nutze ich meine Position als Verleger und entscheide alleine. Ich schrieb zurück: Gut! Und wenn es dann jemandem nicht gefällt, nutze ich meine Position als Autorin und sage: Ich kann nichts dafür, mein Verleger wollte das so!

Bei jedem meiner Covers gab es eine „Lampe“. Auf dem Umschlag von Kopf aus den Wolken waren es die Fische, auf dem Frühstückstisch der Zehntelbrüder ein Käseteller und ein iPod.

Das Cover meines neuen Romans, Bora. Eine Geschichte vom Wind, hat eine besondere Geschichte. Sie beginnt an einem gemütlichen Samstagabend im eisigen Jänner bei einer guten Flasche Rotwein – immer ein hervorragender Beginn für eine Geschichte!

Ich saß bei Marlies und ihrem Freund Michi (Grafikdesigner und Schriftspezialist Michael Hochleitner von den Typejockeys, die auch diese schöne Webseite designt haben) und erzählte von meinem Ringen um eine gute Idee für das neue Buchcover. Passend zum Ort der Handlung sollte es eine mediterrane Anmutung haben, Sehnsucht wecken, auf sich aufmerksam machen, aber ohne den beliebigen Fotokitsch unzähliger Strandromane auskommen. Ich dachte an Landkarten - klassische Sehnsuchtsobjekte. Diese landeten dann auf dem Vorsatzpapier.

Die Kvarnerbucht um 1900Hoboken, New Jersey um 1900

Der Abend war schon einigermaßen fortgeschritten, die Rotweinflasche fast leer, als Michi mir vorschlug, ein Buchcover für mich zu entwerfen. Die Idee begeisterte mich so sehr, dass ich gleich am nächsten Tag meinen Verleger Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt fragte, ob er für eine Zusammenarbeit mit einem externen Grafiker offen sei. Und das war er, mit dem Hinweis, dass der Verlag in den letzten Jahren bemüht sei, die Schönheit des analogen Buches zu fördern und in den Vordergrund zu rücken. Was wiederum Michi sehr freute, weil er die Möglichkeit sah, sich kreativ auszutoben.  

Einige Wochen später präsentierte er mir seinen ersten, von Hand gezeichneten Entwurf. Wir diskutierten über Farben (mehrmals;), Verläufe und Schriftzüge und einigten uns schließlich auf eine Version, mit der wir beide glücklich waren. Auch Herrn Unseld und den Mitarbeiterinnen des Verlages gefiel der ungewöhnliche, von Adriaplakaten aus den 50er-Jahren inspirierte Entwurf mit dem Retrocharme.

Buchcover für Bora, erster Entwurf

Doch auch diesmal gab es eine „Lampe“: Der Schriftzug BORA war der Stein des Anstoßes. Er war etwas Besonderes, von einer eigenen, modernen Schönheit, darin waren sich alle einig. Aber waren die stark stilisierten, ineinander übergehenden Buchstaben auch lesbar genug? Traten sie gegenüber dem Untertitel Eine Geschichte vom Wind nicht zu sehr in den Hintergrund? Michi erzählte mir von einem in der Grafikwelt bekannten, interessanten Phänomen: Wenn die Lesbarkeit in Frage steht, können Menschen, die wissen, was ein Wort heißen soll, es schlechter lesen als solche, die es nicht wissen. Eine Testreihe in meinem Bekanntenkreis schien diese Theorie zu bestätigen.

Doch letztlich wollte ich in dieser Hinsicht kein Risiko eingehen und bat Michi, einen neuen Schriftzug zu entwerfen. Und ich liebe ihn. Wie auch den Rest des Covers. Es ist einfach wunderschön und ich bin überzeugt, es wird auf jedem Büchertisch herausstechen!

Jetzt ist es in Druck – mein neues Buch und sein schickes Mäntelchen. Es in Händen zu halten, wird wieder einmal wie Geburtstag und Weihnachten zusammen!

Hier noch der Link zur Vorschau der FVA