Blog

14. Februar 2015

Die Sache mit dem Blog

Eines der schönen und enervierenden Dinge am Leben als Mensch, der sein Geld in Eigenregie mit seiner Kreativität verdient, ist, dass man ständig irgendwas Neues ausprobiert, sich immer wieder neu erfindet. Das Schöne ist, man macht eine Menge Erfahrungen, die einem verwehrt blieben, würde man jemals aufhören, anzufangen, es hält einen flexibel, frisch, frank und frei, und was es sonst noch an positiv geladenen Adjektiven mit f gibt (fragil? fraktal? flatterhaft? Warum zur Hölle fallen mir jetzt nur mehr negativ geladene ein? Muss sich immer alles neutralisieren, bis zur alles verschlingenden Bedeutungslosigkeit? Und wie stoppe ich jetzt bitte diesen Gedankengang?)

Das Enervierende ist, man ist immer wieder Anfänger.

Anstatt sich also auf dem weichen, beruhigenden Polster der Erfahrung und Routine auszuruhen, ist man regelmäßig gnadenlos mit der eigenen Stümperhaftigkeit konfrontiert, tappt tollpatschig durch unerforschtes Terrain, im schlimmsten Fall von einem Fettnapf in den nächsten, und soll sich dabei, will man nicht Mut und Selbstbewusstsein verlieren, auch noch selber gut finden.

Die Rettung heißt Humor, und Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht, und zwar vorzugsweise, bevor andere es tun.  

Schon lange bevor ich mit der Arbeit an dieser Webseite begonnen habe, hat mich der Gedanke beschäftigt, unter die Blogger zu gehen – jene unüberschaubare Gruppe von Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen der Welt etwas mitteilen wollen, und davon ausgehen, dass es die Welt interessiert. Mit diesem Postulat bin ich als literarische Autorin vertraut (auch mit dem Zweifel daran). Vertraut bin ich auch mit den vielen täglichen Gedanken und Beobachtungen, die ich in meinen Büchern NICHT unterbringen kann und darf, wenn ich eine halbwegs gute Autorin sein will, und die verstopfen mitunter meine kreativen Kanäle, weil ich sie nirgendwo loswerde. Ja doch, ich habe Freunde. Ich spreche auch mit ihnen. Aber da ich jemand bin, der seine Freunde ungern ständig zuquasselt, weil ich sonst nämlich nicht erfahre, was sie denken, bleibt Vieles von dem, was ich denke, ungesagt, und es beschäftigt mich genau dann, wenn ich mich hinsetze, um zu schreiben.

Deshalb, so dachte ich, wäre ein Blog ideal für mich - ein regelmäßiges Ventil für die side orders des Lebens, die ich für mitteilenswert halte, oft sogar mitteilenswerter als das Hauptgericht.

Doch ach - wie naiv ich war, was für eine Anfängerin!

Wie so oft hatte ich vergessen, dass der Tag nur 24 Stunden hat, die Woche nur 7 Tage, das Monat maximal 31 und selbst das Schaltjahr nicht mehr als 366 – und die werden auf mysteriöse Weise immer wieder verdammt kurz für jemanden wie mich, der sein Geld in Eigenregie mit seiner Kreativität verdient.

Deshalb findet, wer meinen Blog besucht, bisher genau 3 (in Worten: drei!) Einträge, von denen ich zwei in der ersten Euphorie, den dritten über mein Vorwort für das Buch Marylin Monroe – Wer? geschrieben habe. Das ist jetzt ein Jahr her.

Ok, ich war mit meinem neuen Roman beschäftigt (Bora. Eine Geschichte vom Wind, erscheint Anfang Juli bei der Frankfurter Verlagsanstalt) Aber jetzt ist er fertig, ich müsste also theoretisch Zeit haben. Jede Menge Zeit. Doch jedes Mal, wenn ich denke, ich habe jede Menge Zeit, ist sie auch schon wieder mit irgendetwas angefüllt. Wie wenn man einen Schrank ausmistet, und dann denkt: Oh, jetzt habe ich unglaublich viel Platz. Und kurze Zeit später ist er wieder voll, und man fragt sich: Wo habe ich das Zeug eigentlich davor untergebracht?

Aber nein, ich gebe nicht auf! Wieder einmal sage ich mir: Irgendwas an der Sache kannst du anders machen, du musst was Neues versuchen. Kürzere Einträge zum Beispiel (kürzer als dieser hier!), eine andere Herangehensweise, mehr Bilder vielleicht, eine neue Struktur, das hier ist ein Blog und kein Roman, nicht mal eine Kurzgeschichte (ich habe gerade eine geschrieben, für eine Anthologie zum Thema Geburtstag, die im Herbst bei Residenz rauskommt. Sie wurde um ein Drittel zu lang;)

Ich fange an, also bin ich? 

Eins ist sicher: Tamagotchis hätten bei mir keine Chance. Meine Katzen leben aber noch.


12. Februar 2014

Marilyn Monroe - Wer?

Unverhofft ...

Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, dass sich die interessantesten Projekte oft direkt vor meiner Nase abspielen – in meinem unmittelbaren Freundeskreis. Ich brauche also nur meine ohnehin sehr ausgeprägte kommunikative Ader auszuleben, will heißen, mit den Menschen, die mir am liebsten sind, auf diverse Kaffees oder Gläser guten Weins zu gehen, mit ihnen zu frühstücken, zu Mittag oder zu Abend zu essen, Feste zu feiern, wie sie fallen (ihre oder meine), und schon eröffnen sich fast wie von selbst die Gelegenheiten, mich an wunderbaren, kreativen Unternehmungen zu beteiligen. Und da ich in den letzten Jahren hauptsächlich dem Schreiben fröne, einer über weite Strecken recht einsamen Tätigkeit, bin ich sehr und immer mehr geneigt, diese Gelegenheiten zur Zusammenarbeit mit anderen beim Schopf zu packen.

... kommt immer öfter

So kam es, dass ich mich bei einem Fest meiner lieben Freundin Eva Wolfram-Ertl (deren Malerei ich sehr schätze und für deren Ausstellung in der Galerie am Schillerplatz ich vor zwei Jahren einen Text schreiben durfte) in einem Gespräch mit der Psychoanalytikerin Irene Bogyi fand, die mir von ihrer Beschäftigung mit Marilyn Monroe erzählte. Sie schrieb damals über deren letzte Psychoanalyse bei Dr. Ralph Greenson und ihre kontroversiellen Aspekte. Durch ihren Arbeitsschwerpunkt Kunst und Psychoanalyse hatte sie eine Vielzahl an interessanten Kontakten zu Menschen, die sich aus ganz verschiedenen Richtungen dem Mythos Monroe näherten und sich mit den menschlichen Fragen, die ihr Leben und ihr Tod aufwarfen, auf verschiedene Weise auseinandersetzten. Schließlich veranstaltete sie ein Symposion mit dem Titel Marilyn Monroe – Wer?, mit teils künstlerischen, teils wissenschaftlichen Beiträgen zum Thema.

Das Buchprojekt

Bei jenem Fest erzählte ich Irene, dass auch ich eine spezielle Beziehung zur Monroe habe, dass Marilyn mich als Mensch, Schauspielerin und Phänomen schon immer fasziniert hat – und dass ich bei einem Kostümfest sogar einmal in ihre Rolle geschlüpft bin. Als Irene nach dem Symposion beschloss, ein Buch herauszugeben, in dem ihre eigene Arbeit sowie die am Symposion beteiligten Beiträge versammelt sein sollten, bat sie mich deshalb, für dieses Buch ein Vorwort zu schreiben. Es war für mich eines dieser sehr, sehr spannenden Nebenprojekte der letzten Jahre, von denen ich eingangs gesprochen habe, die definitiv das Salz in meiner Suppe sind und die dafür sorgen, dass ich nicht immer nur in der eigenen rühre! Die Recherchen für dieses Vorwort haben mich nicht nur dazu gebracht, mir Monroes Filme wieder anzuschauen (besonders interessant fand ich Don´t bother to knock, 1952 und Niagara, 1953), sondern aus meiner heutigen Perspektive einen Blick auf das Frauenbild der Kriegs – und Nachkiegsgeneration sowie die Umstände und Begleiterscheinungen des Starkults zu werfen.

Präsentation

Das Ergebnis könnt ihr noch diesen Sommer nachlesen. Die Buchpräsentation gibt’s am 27.Juni 2014. Details folgen, hier und auf facebook – hope to see you there!

Marilyn Monroe – Wer?

Psychoanalytische und kunstwissenschaftliche Annäherungen an den Mythos.

Psychosozial-Verlag

Mit Beiträgen von Irene Bogyi, Elisabeth Bronfen, Ruth Cerha, Beate Hofstadler, Andreas Jacke, Sebastian Leikert, Hans Pettermann, August Ruhs, Rainer Schmid und Tamara Sudimac

Analog zum Traum eröffnet uns der Mythos einen Zugang zum Unbewussten. Die Frage nach der mythischen Dimension von Marilyn Monroe hat eine Fülle von Themen zutage gefördert: die Inszenierung von Medienkörpern, die Essenz von Sinnlichkeit, die Konstruktion von Weiblichkeit, die Psychoanalyse als Amour Fou und die Lust an der Verwandlung. Die interdisziplinären Annäherungen enthüllen aber auch den Menschen hinter dem Mythos: Marilyns Unangepasstheit, ihre politische Einstellung, ihren Humor und ihre Schlagfertigkeit. In den Beiträgen dieses Bandes wird die Figur Marilyn Monroe zum Vehikel, um über elementare menschliche Themen nachzudenken. Dieses Buch ist auch eine Entdeckungsreise in die geheimen Land- schaften der Seele. Auf der Suche nach dem Rätsel Marilyn Monroe stellt sich schließlich die Frage nach der Konstituierung des Subjekts, deren Beantwortung zu bemerkenswerten Erkenntnissen führt.

www.psychosozial-verlag.de