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5. April 2015

Stormy Weather

Mein neuer Roman, der Frühling & meine letzten Flugreisen: Stürmische Zeiten!

Ruth Cerha März 2015, Foto by Stefanie Luger

Dieses Foto ist vor zwei Wochen am Neusiedlersee entstanden, auf einem Steg bei der Mole West. Meine Freundin und Fotografin Stefanie Luger hat mich bei strahlendem Sonnenschein einen Nachmittag lang ins beste Licht gerückt, und nun schon zum dritten Mal wunderbare Autorenfotos von mir gemacht. Für mich war dieser Tag wie Urlaub. 

Sehr arbeitsreich waren sie, die letzten Wochen. Und aufregend. Das Lektorat an meinem neuen Roman Bora. Eine Geschichte vom Wind ist nun abgeschlossen, das Manuskript im Satz. Das ist immer ein großer Moment, denn jetzt ist Schluss mit überarbeiten, umformulieren, streichen und hinzufügen. Abgesehen von den kleinen bösen Buchstaben, den buchstäblich falschen, die mit schöner Regelmäßigkeit von AutorInnen, VerlegerInnen, LektorInnen, KorrektorInnen und zum Glück manchmal auch von LeserInnen überlesen werden, ist der Text nach dem Satz zwar nicht in Stein gemeißelt, aber wegen des Umbruchs eigentlich nicht mehr veränderbar. Jetzt muss es raus, mein Baby, in die große weite Welt!

Die Welt der Bücher

Natürlich kann ich es noch nicht alleine herumlaufen lassen, denn es herrscht ein rauher Wind da draußen, und es hat noch nicht einmal einen Schutzumschlag! Also begleite ich es auf seiner Reise durch die Welt der Bücher, wache mit den Augen der besorgten Mutter über Umschlaggestaltung, Pressearbeit, Vorschau- und Klappentext. Ich fahre mit ihm auf die Leipziger Buchmesse (nein, mitmachen darf es dort noch nicht, aber mal zuschauen, wie die Großen das machen) und zur Vertreterkonferenz nach Frankfurt, wo seine Pflegefamilie lebt. Schließlich möchte ich, dass mein Kind in seiner Besonderheit erkannt und unterstützt wird, und nicht eingeschüchtert in der Masse untergeht. Nein, ich bin keine Eislaufmami. Oder nur ein ganz kleines bisschen. Aber wer einmal auf einer Buchmesse war, wird mich verstehen.

Leipziger Buchmesse 2015

Und während es draußen wieder beginnt, nach Erde zu riechen, der Bärlauch sprießt und die Frühlingsstürme an den Fenstern rütteln, sitze ich in Flugzeugen, die nicht fliegen können. Nicht einmal. Viermal. Hintereinander. Wegen technischer Gebrechen, wegen Wind und Wetter. Teile werden ausgebaut, repariert, wieder eingebaut, Startbahnen werden gesperrt, ich sitze eingekeilt im Flugzeug und verpasse Anschlussflüge, führe komplizierte Telefonate mit Fluglinien und Online-Reisebüros (für €1,58 pro Minute!), vereinbare Umbuchungen. Und bin ich einmal angekommen, wird es auch nicht viel besser. Schnellbahnen streiken, Kassasysteme von Tankstellen brechen zusammen, Handys verweigern den Dienst, Drucker geben den Geist auf, und mein Laptop gibt plötzlich nur mehr ein komisches Piepsen von sich, bei schwarzem Bildschirm. Man wird ja leicht paranoid in so einer Lage. Aber eigentlich glaube ich nicht, dass es an mir liegt, sondern einfach daran, dass die Welt, die wir geschaffen haben, uns technisch überlegen ist.    

Prometheus-Raumschiff

Vielleicht habe ich mich genau deshalb vor über 10 Jahren in die winzige kroatische Insel verliebt, auf der mein neuer Roman spielt - weil es dort nicht viel mehr gibt als Meer und noch mehr Meer, Sand, Felsen, Vegetation und ein kleines Dorf mit Steinhäusern, in denen Menschen leben, die wissen, dass sie abhängig sind von Wind und Wetter. Denn wenn die Bora weht oder der Jugo (die kroatische Bezeichnung für den Scirocco) Wolken und Unwetter bringt, kann es sein, dass die Boote ausfallen und keiner auf die Insel oder von ihr weg kommt. Es ist, wie ich an einer Stelle des Romans geschrieben habe, ein Ort, der sich selbst nicht so wichtig nimmt und deshalb viel Platz hat für die Menschen, wo man den Raum mit dem Körper durchmessen kann, die Zeit ihre Strenge verliert und die Augen unbegrenzt schauen können.

Bald könnt ihr euch lesend an diesen wunderbaren Ort träumen - wo auch immer ihr dann gerade seid....

Bora. Eine Geschichte vom Wind erscheint am 1.Juli. Die Buchpräsentation findet am Mittwoch, den 24.Juni um 19:00 im Café Schopenhauer statt. Ich halte euch auf dem Laufenden!

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die Insel