DIE NACHT WEISS NICHT VOM TAGE
Ein musikalisches Stationentheater von Ruth Cerha




Zwei Sängerinnen, zwei Tänzer:innen, begleitet von einem Klavier auf einem Schiff und einer Klarinette reisen mit einem Matrjoschka-Koffer rückwärts durchs Leben, das Publikum reist mit. Immer im Gepäck: die großen Polaritäten – schlafen und wachen, erinnern und vergessen, fürchten und wagen, leben und sterben …
Der Tod als Rückseite des Lebens ist allem Wissen um die Fakten zum Trotz ein blinder Fleck im menschlichen Bewusstsein, den wir mit großem Aufwand und zu einem hohen Preis kollektiv leugnen. Das Nichts, das wir uns im Gegensatz zum Etwas nicht vorstellen können, ängstigt uns, die Polarität bleibt uns letztlich unbegreiflich, auch wenn wir sie täglich erleben, am unmittelbarsten im ewig sich wiederholenden Rhythmus von Tag und Nacht. Während die Sonne die eine Seite der Erde beleuchtet, liegt die andere in Dunkelheit. Mit dieser assoziieren wir seit jeher das nicht Fassbare, das sich unserer Kenntnis, unserem Willen entzieht. Die meisten Menschen sterben nachts. Im Licht des Tages müssen wir dies akzeptieren und leben weiter.
Wir können nur da sein, oder dort. Dazwischen ein Raum, der uns nicht gehört. Aus ihm dringt ein unaufhörliches Rufen, ein Sirenengesang. Wir können auf ihn hören oder ihn ignorieren, er begleitet uns ständig. Anfang des Jahres 2023 drang er durch den Tod meines Vaters überaus deutlich an mein Ohr. Ich beschloss, zu notieren, was ich da hörte.
Die nach und nach entstandene Form entzieht sich bestehender Genrebezeichnungen: In fünf Stationen durchwandert das Publikum gemeinsam mit dem Ensemble verschiedene Lebens-Räume, in denen die Erfahrungen, die wir in der Begegnung mit unserer Vergänglichkeit im Laufe des Lebens machen, beleuchtet werden. Musikalisch besteht das Werk aus acht Liedern, die einen introspektiven Blick auf unterschiedliche Aspekte dieser Erfahrungen werfen, vier Zwischenmusiken, die die Wanderungen von Raum zu Raum begleiten, und einer Ouvertüre, die ins Geschehen führt. Die beiden Tänzer:innen setzen die mit dem Thema verbundenen Gefühlswelten szenisch um. Sie sind die eigentlichen Darsteller, während die Rolle der beiden Sängerinnen etwa mit der des dramatischen Chors in der griechischen Tragödie vergleichbar ist.
Die Nacht weiß nicht vom Tage möchte der universellen gesellschaftlichen Verdrängung im Umgang mit dem Tod, mit Alter und Krankheit einen unverstellten, philosophischen wie poetischen Blick auf die Sterblichkeit und auf das Zyklische als Grundbedingung alles Lebendigen entgegensetzen.
Die URAUFFÜHRUNG fand am 12. November 2026 in den SOHO STUDIOS in Kooperation mit Wien Modern statt.
Komposition, Text, Idee: Ruth Cerha
Sopran: Julitta Dominika Walder
Sopran: Katrin Targo
Tänzer: Fabian Tobias Huster
Tänzerin: Jana Würleitner
Off-Sprecher: Christian Reiner
Klavier: Hemma Tuppy
Klarinette: Jake Mann
Regie: Ruth Cerha, Florian Sedivy
Choreografie: Fabian Tobias Huster, Jana Würleitner
Visuelle Gestaltung/Bühne/Kostüm: Manu Tober
Licht: Veronika Mayerböck
Video: Katrin Cebul
Eine Produktion von VIVA LA CLASSICA!
ist eine Serie von Gedichten, die seit dem Sommer 2020 spontan und improvisatorisch entstanden sind. Die Form ergab sich eines nachts aus dem handschriftlichen Eintrag in ein A5-Notizbuch, ohne Absätze oder Satzzeichen, das Zeilenende quasi ignorierend. Ich fand die Form spannend und folgte ihr. In erster Linie kommen in diesen Gedichten meine Beobachtungen und Besorgnis über den Zustand der Welt und der Gesellschaft zum Ausdruck. Die Serie wächst und wandelt sich noch immer und bietet meinem staunenden Geist, meinen Gefühlen von Bestürzung, Verwirrung und Ungewissheit einen Unterschlupf. Sechs der Gedichte wurden im Juni in der Sonderausgabe Showlyrik 2021 des Literaturmagazins SALZ veröffentlicht.
Im Sommer 2022 beschloss ich, dass diese Gedichte nicht in einem Buch begraben werden, sondern im öffentlichen Raum leben sollten. In literarischem Layout auf Sticker gedruckt begann ich, sie in ganz Wien dort anzubringen, wo sie sich auf interessante Weise in die Umgebung einfügten, machte Fotos davon.
Schließlich drängte es die Musikerin in mir zu einer musikalischen Umsetzung: Seit Anfang 2024 entwickelten der Stimmkünstler Christian Reiner, Edith Lettner am Saxofon und ich am Klavier eine gemeinsame Improvisationssprache auf Basis der Gedichte für Live-Performances im Konzertformat, 2025 begannen wir, mit URGENT POETRY LIVE aufzutreten.
HIER gehts zu unserem Konzert in der Strengen Kammer im Porgy & Bess.
Parallel dazu entstanden kurze Videoclips, in denen ich Christian Reiner filmte, während er an bestimmten, neuralgischen Punkten und Orten in Wien einzelne Gedichte rezitierte: vor dem Parlament, beim Mahnmal gegen Krieg und Faschismus, am Stein der Republik, unter den Brücken über den Donaukanal …
URGENT POETRY ist ein räumlich, zeitlich und formal offenes Projekt, das auf Veränderungen flexibel reagiert und sich durch Impulse aus verschiedenen Richtungen entwickeln darf.









Andorrer & Cerha
SLEEPING LEAVES
Eine visionäre Installation aus künstlerisch transformierten Pflanzenblättern und einem literarischen Klimamärchen

Blätter bilden die Lebensgrundlage für Mensch und Tier, denn sie produzieren mit Hilfe von Wasser und Sonnenlicht Sauerstoff. Ausgangspunkt und Grundmotiv von „Sleeping Leaves“ sind mehrere, bis zu 2 Meter große Blätter, die aus dem Botanischen Garten stammen. Im Moment höchster Schönheit festgehalten und künstlerisch mit Farbe, Faden und Perlen von Angela ANDORRER markiert und modifiziert, kehren die Blätter nun als „Blattscapes“ an ihren Ursprungsort zurück. Im Kalthaus werden sie in gläsernen Vitrinen ausgestellt und zum Sinnbild unseres gefährdeten Überlebens auf der Erde.
Meine zeitgenössische Erzählung Sie ist noch nicht tot! paraphrasiert das Märchen vom Schneewittchen. Aus Snow White wird die junge Klimaaktivistin Snow Witness, sie zieht die G7 als politisch Verantwortliche für ihre Versäumnisse in der Klimapolitik vor dem Internationalen Gerichtshof zur Rechenschaft. Nach einem Giftattentat wird sie, im Glassarg liegend und mit Blättern bedeckt, begleitet von einer vielstimmigen Beschwörung des Lebens, durch die Stadt getragen. Der Ausgang der Geschichte bleibt ungewiss ...
Wie in einem Labyrinth bewegen sich die BesucherInnen durch schwebende Papierbahnen mit Textpassagen aus dem Klimamärchen und menschengroßen Blattkunstwerken, die Michael Wurmitzer im Standard, als bezaubernd schön beschreibt. Der gläserne Ausstellungsraum selbst wird zur lebensgroßen Metapher des durchsichtigen Sarges und unseres Paralysiert-Seins angesichts des menschenverschuldeten Klimawandels.
„Sleeping Leaves – ein Klimamärchen“ hat die bildende Künstlerin Angela ANDORRER (Projektleitung) gemeinsam mit mir und der Projektdesignerin Elisabeth KOPF für den Botanischen Garten der Universität Wien entwickelt. Die Kunsthistorikerin, Kuratorin und Artists for Future Gründerin Maria Christine HOLTER berät beim Rahmenprogramm, beim Ausstellungsaufbau und hält die Eröffnungsrede.
copyright Angela Andorrer
Vernissage am 18.6.2025, 17:00, Kalthaus Botanischer Garten Wien, Mechelgasse 2, 1030 Wien
Ausstellungsdauer 19.6. – 30.8. 2025, täglich 10:00 – 18:00
Finissage am 31.8.2025, 16:00
painted music: improvisations in sound and color
Ruth Cerha aka Cassia C: Klavier
Eva Wolfram-Ertl: Malerei

During the hardest part of the Pandemic, artist Eva Wolfram-Ertl and me got the chance to work in a huge old vacant apartment as an interim use. We decided to explore the interplay between improvised painting and music. We met every Tuesday morning for 3 hours, she working on canvas with oil, me playing the piano. No plans, no concepts, no rules.
In half a year 12 big paintings and 16 hours of music emerged, in an amazing process of synergy that revealed a lot about the core of improvised art to us. The artwork and the music are most closely connected and independent at the same time.
I recorded everything I played with a small ZOOM recorder, all one take improvisations, with the surrounding sounds in the background of Eva handling her working tools, birds singing outside, the garbage truck going by etc., which brings the space as an important part of the work to perception for the listener.
Album available for streaming and download on all platforms.
Look for Cassia C: Painted Music
Vinyl available in a limited edition – direct distribution only.
Please contact me!
Cassia C
musical poetry

Since 2018 I've been working with poetry in German and English on the basis of free musical improvisation. With a certain
poem in mind I record one take impro pieces on the piano, then work my voice over it in different ways. The poems are partly my own, partly from poets I adore, female only. This is because they speak to me more than male poets, but there is a statement in it too: Poetry in general is a marginalized literary form, and the one written by woman is even more overlooked. So I'm hoping to draw more attention to female poetry through my music.
Cassia C is my alias as a musician. You can find some of my music by this name on streaming platforms and digital music stores. There is more coming soon.
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Hüpf ins Buch
Hüpf ins Buch is an artistbook created 2017 by the artists Manuela Tober and Tatjana Zinner in a limited edition of 12 books, each handmade, signed and numbered, as part of their project KUNST GEHT HEIM. Spiele für das Leben. It is meant to be an inspiration and jump start for people to further work on it. In 2021, in the middle of the Corona crisis, Manuela invited me to an artist's playround edition. I was the first to jump into the book and I worked on it for a month before I passed it on to the next artist, Michaela Lehmann.
With this playround we wanted to set a sign for artistic activity and connection of people through arts overcoming Corona limitations, social distancing and lockdown frustration. The book is still in process, wandering from artist to artist, growing in an amazing and always unexpected and unpredictable way.